Familienwandertag am Inn
Hummeln in der Streuobstwiese

selbstgebastelte Hummeln aus Karton stehen vor einem Baum in einer StreuobstwieseZoombild vorhanden

Lebensraum Streuobst

Bei zunehmend aufklarendem Wetter wanderten am Samstag, den 7. Mai 2022, viele Familien am Inn entlang, um an vier Stationen die Natur zu erkunden. Überrascht stellten viele Teilnehmer fest, dass das Gelände des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, auf welchem sich das AELF Passau befindet, in seinem Innenhof eine kleine Streuobstwiese beherbergt, die den Startpunkt dieser Wanderung bildete.

Streuobstanbau ist eine über Jahrhunderte entstandene Form des Obstanbaus und von großer Bedeutung sowohl für die Kulturlandschaft als auch die Artenvielfalt. Ca. 5.000 Tier- und Pflanzenarten können dort vorkommen, darunter auch seltene und gefährdete, das macht Streuobstflächen zu "Hotspots der Biodiversität" in unseren Breiten. Allerdings ist der Streuobstbau stark zurückgegangen, weil er sich im Wettbewerb mit neuen kleinwüchsigen Sorten oft nicht behaupten konnte; in den 70ern gab es zeitweise sogar Rodungsprämien, wie ein Teilnehmer zu berichten wusste. Um wieder einen Aufschwung des Streuobstbaus anzuschieben, wurde 2021 der Bayerische Streuobstpakt mit vielen Maßnahmen beschlossen.

Saft vom bayerischen Staatsgut Kringell

Damit das noch vorhandene Streuobst erhalten und ausgeweitet werden kann, sollten die Menschen den Wert des Streuobstanbaus und der damit regional erzeugten Produkte wieder schätzen lernen, wie z.B. naturbelassenen Apfelsaft und Honig. Daher wurden die Familien an der Station des AELF Passau mit Apfelsaft vom Staatsgut Kringell bewirtet und durften sich nebenbei mit köstlichen Äpfeln aus lokaler Produktion stärken.

Über 5000 Tier- und Pflanzenarten - Kinder bastelten Hummeln

5000 Tier- und Pflanzenarten kann man nicht alle an einer Station in Augenschein nehmen, aber eine Auswahl schon. So stellten Sonja Keßler, Wildlebensraumberaterin, und Stefan Wipplinger, Wasserberater am AELF Passau, einige verbreitete Hummelarten und die gängigsten Pflanzen der Streuobstwiese in den Fokus – mit dem Ziel, die "Heimat Streuobstwiese" anschaulicher zu machen und auch später zu Hause noch für Wiedererkennungseffekte zu sorgen. Fleißig bastelten die Kinder hübsch anzusehende Gartenhummeln, Wiesenhummeln und Erdhummeln mit der Wildlebensraumberaterin – deren Flügel aus alten, nicht mehr benötigten Kopierfolien aus der Zeit der Overheadprojektoren stammten. Die Eltern versuchten währenddessen – unterstützt von Stefan Wipplinger und der kostenlosen App "Flora incognita" – Ferkelkraut, Ehrenpreis, Kriechenden Günsel, Spitzwegerich und viele andere Pflanzen unter den Streuobstbäumen zu bestimmen.

Saatgut für den Garten

Als kleine Belohnung und für die Förderung der Artenvielfalt im Garten zu Hause bekamen die Familien jeweils eine kleine KuLaP-Saatmischung "Lebendiger Gewässerrand" oder den "Veitshöchheimer Farbenmix" mit auf den Weg, ein wirklich schöner Abschied zu den nächsten Stationen.
Hier warteten der BUND Naturschutz, der an seiner Station über Tiere am Wasser informierte, und ein Stückchen weiter flussabwärts das Haus am Strom mit Beobachtungen unter dem Binokular. Die Universität Passau stellte gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau innovative Kistengärten wie die Pizzakiste mit Kräutern zum Kochen vor.