Regionalentscheid forstlicher Wettbewerb
von Melanie Bäumel-Schachtner, PNP

Drei Männer blicken in Kamera, jeder hält eine Urkunde in der HandZoombild vorhanden

Max Aufschläger, Michael Scheungrab und Thomas Feldl (© R. Stillinger).

Kringell - Kreischend fahren die Zähne einer Motorsäge in einen Holzstock. Späne fliegen, aber der Schnitt sitzt perfekt. Ein junger Mann in Arbeitskleidung führt das Werkzeug auf dem Staatsgut in Kringell im Landkreis Passau mit konzentrierter Miene und ruhiger Hand. So wie 41 andere Berufsschüler des Ausbildungsberufs Landwirt will sich Max Aufschläger aus St. Oswald im Landkreis Freyung-Grafenau heute beweisen. Er zeigt beim Regionalentscheid des Forstlichen Wettbewerbs, der zu seiner Ausbildung gehört, sein Können und stellt sich den Prüfern.

Es geht um Theorie und um Praxis, es geht um Präzision und Punkte, und es geht ums Weiterkommen: Die drei Bestplatzierten des Regionalwettbewerbs dürfen zum Landesentscheid am 21. Mai 2026 nach Kelheim. Am Ende des Tages kann sich Max Aufschläger tatsächlich über den ersten Platz freuen. Er teilt sich mit dem punktgleichen Michael Scheungrab aus Schöllnach im Landkreis Deggendorf den Sieg. Auch zum Landeswettbewerb darf Thomas Feldl aus Fürstenzell im Landkreis Passau fahren, der den dritten Platz holt. Der zweite wird wegen der beiden punktgleichen Ersten diesmal nicht vergeben.

Vier Regionalentscheide des Forstlichen Wettbewerbs gibt es in Niederbayern, 18 in Bayern. Die Besten der Besten treffen sich dann im Mai zum Landesentscheid an der Waldbauernschule in Kelheim. Der Wettbewerb findet alle zwei Jahre statt und wendet sich stets an die Berufsschüler der elften und zwölften Jahrgangsstufe. In Kringell strengen sich Berufsschüler aus den Landkreisen Passau, Freyung-Grafenau und auch teilweise Deggendorf und Regen heuer mächtig an.

Staatsgutleiter Thomas Lehner freut sich, dass der Wettbewerb alle zwei Jahre in seiner Einrichtung zu Gast ist und hat auch einen ganz besonderen Bezug dazu: Auf seinem Staatsgut arbeitet Christina Urmann in der Verwaltung. Die junge Hauzenbergerin war vor zwei Jahren stolze Landessiegerin und wird ihre Erfahrungen so schnell nicht vergessen: „Ich hätte nie geglaubt, dass es gegen die männliche Konkurrenz klappt“, blickt sie bescheiden zurück, schiebt aber lächelnd hinterher: „Ich bin ohne Druck reingegangen, aber angestrengt habe ich mich schon. Es ist echt gut für das Selbstbewusstsein. Man sieht, was man kann, und lernt, dass man besser an sich glauben und sich mehr zutrauen soll.“

Auch die beiden Sieger Max Aufschläger und Michael Scheungrab geben zu, dass sie der Ehrgeiz gepackt hat: „Wenn wir jetzt schon dabei sind, dann wollen wir schon auch unsere Schule gut vertreten.“ Beide sind „mit gutem Gewissen“ in den Wettstreit gegangen. Sie haben beide einen Lehrgang an der Waldbauernschule absolviert und jede Menge Praxis hinter sich aus dem eigenen Wald: „Die Erfahrung dahoam bringt schon viel“, erzählt Aufschläger.

Das kann Josef Kiefl nur unterschreiben. Der Forstdirektor vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Passau ist einer der Verantwortlichen, die die Fäden des Regionalentscheides in den Händen halten. Auch 25 Prüfer, darunter Forstwirtschaftsmeister der Ämter in Landau-Pfarrkirchen und Regen, der Waldbauernvereinigungen und der Berufsgenossenschaft, helfen mit. Einer von ihnen ist Dominik Jankenschläger aus Röhrnbach. Seit 17 Jahren macht er das schon. „Ich schaue besonders auf die Unfallverhütungsvorschriften und auf die Genauigkeit“, erklärt er. Für ihn hat nicht jeder Prüfungsteilnehmer das gleiche Niveau. Auch er sagt: „Man merkt, wer daheim einen Wald und wer Übung und Interesse hat.“ Das zeigen am Schluss auch die Punkte. Forstdirektor Josef Kiefl kennt dieses Punktesystem und die vier praktischen Disziplinen aus dem Effeff. „Bis vor vier Jahren gab es ganz andere Disziplinen, es war vorher mehr aufs Motorsägen konzentriert. Jetzt ist der Aspekt Arbeitssicherheit wichtiger geworden“, weiß er. Der Wettbewerbstag startet mit einem Wissenstest, bei dem zum Beispiel Baumarten erkannt werden müssen. Dieser bringt 60 Punkte.

Dann geht es an die Praxis-Stationen. In der Disziplin Pflanzung und Qualitätsbeurteilung müssen drei Pflanzen begutachtet werden, von denen jede einen anderen Fehler hat. Danach müssen fünf Pflanzen fachmännisch eingesetzt werden - gibt insgesamt 80 Punkte. Genauso an der Station Fehlersuche an der Motorsäge, bei der beurteilt werden muss, was am Werkzeug alles nicht passt. Und noch einmal 80 Punkte sind zu holen bei der Station persönliche Schutzausrüstung und Stockbeurteilung – auch hier müssen Fehler ausgemacht werden. Die Königsdisziplin, honoriert mit 100 Punkten, ist die Station Fallkerbenanlage und Fällschnitt am Stock mit Sicherheitsfälltechnik.

Hier können Max Aufschläger und Michael Scheungrab punkten – aber nicht nur. Von 400 Gesamtpunkten haben beide 386 geschafft. „Das ist sagenhaft“, jubelt Josef Kiefl und auch die anderen Schüler spenden begeistert Applaus. Die Sieger dürfen sich als erstes ihren Preis vom Gabentisch aussuchen, angefüllt von den Sponsoren. Danach kommt der Drittplatzierte Thomas Feldl, der den beiden Siegern mit seinen 381 Punkten dicht auf den Fersen ist. Egal ob Erster oder Letzter: Einen kleinen Preis bekommt jeder. Und so ist nicht nur Dabeisein alles bei diesem Regionalwettbewerb.

Mehrere Personen vor einem Gebäude

Ehrgengäste, Organisatoren, Prüfer, Sponsoren und fleißige Unterstützer des forstlichen Wettbewerbs - Ein herzliches Dankeschön
Vordere Reihe: "Hausherr" Thomas Lehner (Leiter Staatsgut Kringell), 1. Sieger Max Aufschläger (St. Oswald, FRG), 3. Sieger Thomas Feldl (Fürstenzell), 1. Sieger Michael Scheungrab (Schöllnach, DEG), Horst Wipplinger (Präsident landw. Bezirksverein Passau)
hintere Reihe: Florian Hofinger (Revierleiter Forstrevier Hauzenberg, AELF Passau), Ludwig König, Herrn Probst von der Berufsgenossenschaft SVLFG, Walter Haslinger (Organisator/ Bildungsberater AELF Passau), Martin Aumüller (Abteilungsleiter LW, Berufsschule Passau), Josef Hopper (Kreisobmann BBV Passau), Josef Kiefl (Organisator/ Abteilungsleiter Bereich Forsten AELF Passau), Martin Horn (WBV Passau), Günther Stemplinger (SVLFG/ WBV Passau), Mathias Gibis (WBV Passau)