Musterbestände zum Waldumbau
Musterbestände im niederbayerischen Tertiärhügelland

Zu den Ausgangsbedingungen im niederbayerischen Tertiärhügelland
Das Tertiärhügelland ist geprägt von lehmigen und nährstoffreichen Böden, die teilweise der Löß nochmals aufbessert. Heute dominiert in diesem Naturraum insgesamt die Landwirtschaft. In der natürlichen Waldzusammensetzung würden Buchenwälder in den Flussniederungen von der Eiche abgelöst werden. Da es heute schon überdurchschnittlich warm ist und nur durchschnittliche Niederschläge fallen, wirken sich zukünftig die Klimaverhältnisse limitierend auf die Baumartenwahl aus.
Mischwald im Bistum Passau
Jungbestandspflege hin zu einem klimatoleranten Mischwald
Geschichte des Bestandes – wo kommen wir her?
Die Fläche ist im Besitz des Bistums Passau und wird nach dessen Leitfaden „Schöpfungsorientierte Waldnutzung bewirtschaftet“. Diese Waldbewirtschaftung ist als integrative (möglichst viele Funktionen berücksichtigend) Waldbewirtschaftung zu verstehen und basiert auf den Betriebszielen für den Kirchenwald der Diözese Passau sowie einem Naturschutzkonzept, das sich den Themen Biotopbäume, Totholz und Bodenfruchtbarkeit widmet. Details finden Sie beim Punkt Informationen zur Vertiefung.
Die Fläche wurde lange als Grünland genutzt, bis sie für ca. 20 Jahre als Christbaumkultur verpachtet wurde. Aus dieser Zeit stammen die Nordmanntannen, die auf der Fläche noch zu finden sind. Im Jahr 2002 fand die Erstaufforstung der Fläche statt, bei der der Grundstein für einen neuen Wald gelegt wurde. Die eingesetzten Baumarten waren im Wesentlichen Berg- und Spitzahorn, Esche, Hainbuche, Roteiche und Rotbuche. Zusätzlich wurden zur Anreicherung seltene Baumarten, namentlich Vogelkirsche, Elsbeere, Speierling und Nussbaum, gepflanzt. So entstand ein gemischter Laubholzbestand mit einer breiten Baumartenpallette, die gut an das zukünftige Klima angepasst ist.
Förderungen und Maßnahmen
Nach der Erstaufforstung fand im Jahr 2010 eine vom AELF Passau-Rotthalmünster geförderte Jugendpflege statt (vgl. Informationen zur Vertiefung). Das Pflegeziel hierbei ist der Erhalt von standortgemäßen, klimatoleranten Baumarten. Zusätzlich soll die Bestandsstabilität sowie die Bestandsvitalität verbessert werden. Im konkreten Fall wurden nur selektive Eingriffe zur Mischwuchsregulierung (Erhalt seltener Baumarten) und für den Erhalt der unterständigen Bäume getätigt. Grundsätzlich baut man auf eine Selbstdifferenzierung der Bäume, um einen strukturreichen Bestand zu formen. Das bedeutet, dass die Bäume durch die Konkurrenz untereinander Strukturen bilden sollen, bei denen sie nicht alle gleichförmig aufwachsen. Auch Grobformen wurden nicht grundsätzlich entnommen, sondern nur wenn sie zukünftige Elitebäume (Wertträger) bedrängten. Außerdem wurde auf einen strukturreichen Waldrand hingearbeitet.
Im Jahr 2020 wurde erneut eine Jungbestandspflege vom AELF Passau- Rotthalmünster gefördert. Das Vorgehen war dabei ähnlich. Im Abstand von 6 bis 10 m wurden Elitebäume ausgewählt und diese durch die Entnahme von 1 – 3 Bedrängern in der Krone freigestellt. Zusätzlich wurde die systematische Feinerschließung ausgebaut, um auch zukünftig die Waldarbeit zu gewährleisten (vgl. Informationen zur Vertiefung). Dafür wurden Rückegassen im Abstand zwischen 20 und 40 Metern angelegt.
Der Weg bis zum heutigen Erscheinungsbild
Über eine natürliche Sukzession konnten sich in den ersten Jahren nach der Erstaufforstung zu den genannten Baumarten noch Weide, Birke Schwarzerle und einzelne Fichten sowie Eichen etablieren. Aufgrund des Eschentriebsterbens kann auf diese Baumart nicht länger gesetzt werden und sie wurde bereits entnommen oder stirbt gerade ab. Dies zeigt die Wichtigkeit sich bei der Baumartenwahl breit aufzustellen, frei nach dem Motto: „Wer streut der rutscht nicht!“; dann kann selbst beim Ausfall einer gesamten Baumart der Bestand als solcher vital und stabil bleiben. Der Prozess der Selbstdifferenzierung ist an diesem Beispiel gut zu erkennen. Die Esche wurde zu großen Teilen von Buche und Birke ersetzt.
Künftige Maßnahmen – wo wollen wir hin?
Auch in Zukunft soll hauptsächlich auf eine Selbstdifferenzierung gesetzt werden. Eine Entwicklung von Habitatstrukturen und dem Erhalt von Mischbaumarten wird eine hohe Priorität eingeräumt. Eine Negativauslese soll daher zukünftig unterlassen werden. Man bleibt bei der Positivauslese. Bei dieser werden Elitebäume ausgewählt und nur Bäume entnommen, die deren Entwicklung beeinträchtigen. Ein Elitebaum kann dabei wirtschaftlich oder auch naturschutzfachlich relevant sein.
Einblicke in den Bestand
Anfahrt
Anfahrtsbeschreibung
Auf der B8 von Vilshofen (rechts) bzw. von Passau (links) die Unterführung bei Altfalter nutzen, vom Parkplatz weg auf dem Weg Richtung Osten bis zum Musterbestand zu Fuß gehen.
Informationen zur Vertiefung
- Schöpfungsorientiere Waldnutzung des Bistum Passau - Bistum Passau
- LWF-Merkblatt Nr. 29: Jungbestandpflege - LWF Bayern
- LWF aktuell 86: „Jungbestandspflege - kleiner Eingriff, große Wirkung“ - LWF Bayern
- LWF-Merkblatt Nr. 38: Feinerschließung – Rückegassen und Rückewege - LWF Bayern
- LWF aktuell 113: „Die Mischung macht’s“ - LWF Bayern
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