FFH-Gebiet - was ist das?

FFH-Gebiete sind Europäische Schutzgebiete für Natur und Landschaft. Durch den Schutz ausgewählter Pflanzen- (Flora) und Tierarten (Fauna) sowie deren Lebensräume (Habitate) soll der Artenschwund in unserer Kulturlandschaft gestoppt und die Vernetzung der Lebensräume erhalten werden.

Oberster Grundsatz des FFH-Gedankens ist die Fortführung einer naturnahen und naturverträglichen Bewirtschaftung statt Nutzung um jeden Preis.Zoombild vorhanden

Winterquartier in den Höhlen und Felsspalten

Unsere Heimat wäre von Natur aus zu ca. 95% mit Wald bedeckt. Die starke Besiedelung durch den Menschen brachte aber nicht nur Nachteile für die Vielzahl der Arten, sondern hat auch neue Lebensräume für Arten eröffnet, die in unseren Breiten sonst nur auf Sonderstandorten vorkommen würden.
Schonende, häufig extensive, und durch die Besitzverhältnisse kleinräumige Bewirtschaftung hat dazu beigetragen eine Vielzahl von Strukturen zu schaffen. Alte Bäume werden von Verjüngung abgelöst, es entstehen lichte Waldstrukturen, abgestorbene Bäume werden durch liegengelassene Gipfel oder unbrauchbare Stammteile ersetzt.
Oberster Grundsatz des FFH-Gedankens ist die Fortführung einer naturnahen und naturverträglichen Bewirtschaftung statt Nutzung um jeden Preis.
Ziel ist die Pflanzen-, Pilz- und Tierarten an die Enkelgeneration zu übergeben, die wir von den Großeltern übernommen haben.

Erhaltungsziele, Lebensraumtypen und Schutzgüter

Für jedes FFH-Gebiet wurden Ziele definiert, die bereits bei der Ausweisung im Jahr 2004 festgelegt worden sind.
Hier steht das Hauptanliegen für das Gesamtgebiet natürlich an erster Stelle.

Dieses wird durch die Erhaltungsziele für die entsprechenden Lebensraumtypen (LRT= charakteristische, naturnahe Lebensräume) oder für die Schutzgüter (charakteristische Arten) ergänzt.

Diese Ziele wurden zusammen mit der Kartenabgrenzung an die EU gemeldet.
Nachfolgend finden Sie in den ausklappbaren Modulen Auszüge aus dem Managementplan der Erlau.
Auszug aus dem Managementplan: Erhaltungsziele für Lebensraumtypen
Gebietsbezogene Konkretisierung der Erhaltungsziele
...Erhaltung des weithin naturnahen Talsystems dieses Mittelgebirgsflusses mit seinen zusammenhängenden, unzerschnittenen Fließgewässer-Abschnitten und Komplexen aus Lebensraumtypen...
Auszug aus dem Managementplan: Lebensraumtypen und Schutzgüter
Lebensraumtyp
...Erhaltung der Hainsimen-Buchenwälder (Luzulo-Fagtum) und Waldmeister-Buchenwälder (Asperulo-Fagetum), Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion) sowie der Labkraut-Eichen-, Hainbuchenwälder (Galio-Carpinetum) mit ihren Sonderstandorten und Randstrukturen (z. B. Waldmäntel und Säume, Waldwiesen, Felsen, Blockhalden) sowie in ihrer naturnahen Ausprägung und Altersstruktur. Erhaltung bzw. Wiederherstellung eines ausreichend hohen Anteils an Alt- und Totholz sowie an Höhlenbäumen, anbrüchigen Bäumen und natürlichern Spaltenquartieren (z. B. abstehende Rinde) zur Erfüllung der Habitatfunktion für daran gebundene Arten und Lebensgemeinschaften...
Schutzgut
...Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Populationen des Fischotters. Erhaltung bzw. Wiederherstellung der biologischen Durchgängigkeit der Fließgewässer und Auen, besonders durch die Sicherung von Wanderkorridoren entlang von Gewässern und unter Brücken...

Bestandserhebung als Grundlage für den Managementplan

Nun folgt schrittweise die Bestandserhebung.
Die Lebensraumtypen (LRT) und Schutzgüter werden nach festgelegten Kriterien kartiert und in Erhaltungsstufen eingeteilt. Dies erfolgt in drei Kategorien.
Auszug aus dem Managementplan: Erhaltungsstufen
In den Darstellungen wurden für den Zustand der Schutzobjekte der Anhänge I (Lebensraumtypen) und II (Arten) "Ampelfarben" verwendet: grün signalisiert einen "sehr guten" (dunkelgrün = A) bzw. "guten" Erhaltungszustand (hellgrün = B), rot einen nicht auszureichenden, da nur "mittleren bis schlechten" Zusand (C):
A = sehr gut (hervorragend)
B = gut
C = mittel bis schlecht
Bei der Maßnahmenplanung wurden ebenfalls die Ampelfarben verwendet, um den Erhaltungszustand des Lebensraumtypes deutlich zu machen.

Das Ziel der FFH-Richtlinie ist, wenigstens den guten Erhaltungszustand (B) aller Lebensräume und Arten zu erhalten bzw. Maßnahmen zu ergreifen, um bei schlechter Ausgangslage (C) eine Wiederherstellung der Stufe B zu erreichen.

Managementplan

Aus den Ergebnissen der Bestandserhebung wird ein Managementplan entwickelt.
Dieser zeigt Maßnahmen auf, die notwendig sind, um die festgelegten Erhaltungsziele zu erreichen. Die notwendige Maßnahmen orientieren sich daran die Lebensraumtypen und Schutzgüter (zusammen Schutzobjekte) im Erhaltungszustand GUT zu sichern.
Auszug aus dem Managementplan: Notwendige Erhaltungsmaßnahmen
Lebensraumtypische Baumarten fördern
...Die Bestände verdanken ihre Existenz der früheren Brennholznutzung (mittel- bzw. niederwaldähnliche Behandlung). Nach Ausbleiben dieser Nutzung besteht die Gefahr, dass sich die Bestände künftig in ihrer Zusammensetzung deutlich ändern. Darauf deuten die Baumartenanteile der Naturverjüngung bereits hin. Nachdem die Bestände noch fern ab vom verjüngungsfähigen Alter sind, ist hier noch keine Eile geboten. Wo Bestandteile bereits verjüngt werden oder kalamitätsbedingte Lücken und Freiflächen entstehen, sollte jedoch bereits jetzt darauf geachtet werden, dass insbesondere die Eiche, aber auch ihre Begleiter (Hainbuche, Winterlinde, Vogelkirsche) langfristig zielgerechte Anteile (mindestens 30%) bewahren können...
Bindungswirkung der Managementpläne
Management Pläne sind behördenverbindlich. Das bedeutet, dass bei Planungen die Schutzobjekte eine ausreichende Berücksichtigung finden müssen.

Wo die öffentliche Hand Grundeigentümer ist, muss der Managementplan in die Bewirtschaftung einbezogen werden.

Für private Waldbesitzer gibt es keine unmittelbare Bindungswirkung. In den naturnahen Bereichen ist eine Fortführung der bisherigen Bewirtschaftung erwünscht.

In bisher naturfernen Bereichen ist die Fortführung der bisherigen Bewirtschaftung erlaubt, sofern diese ordnungsgemäß war.
Es gilt aber ein Verschlechterungsverbot. Das bedeutet:
Solange sich die gesamte Gebietsfläche in Richtung eines naturnahen Zustandes entwickelt oder auf dem Erhaltungszustand GUT stagniert, hat der Einzelne mit wenig Einschränkungen zu rechnen. Droht ein Lebensraumtyp aber ohne staatliches Handeln in einen schlechten Erhaltungszustand abzurutschen sind Maßnahmen des Staates geboten.

Vorteile für Waldbesitzer

Wer seinen Wald entsprechend des Managementplanes entwickeln will hat aber durchaus Vorteile:
Naturnahe Wälder bieten den Waldbesitzern ein hohes Maß an Sicherheit gegenüber Umwelteinflüssen. Gestufte Mischwälder trotzen Stürmen und Schädlingen besser.
Waldbauliche Orientierung an der Natur erzeugt Betriebssicherheit durch Risikostreuung. Durch die Mischung verschiedener Baumarten entsteht eine Spreitung in den Verkaufssortimenten (Diversifikation).
Außerdem stehen Fördermittel im Rahmen des Vertrags-Naturschutz-Programms-Wald (VNP-Wald) und der Forstlichen Förderung zur Verfügung um eine Verbesserung des Erhaltungszustandes zu erreichen.

Die staatliche Beratung und Förderung in Richtung stabiler und klimatoleranter Wälder sowie der FFH-Gedanke zielen in die gleiche Richtung: zu mehr Naturnähe.
Nähere Auskünfte erteilt Ihnen der zuständige Förster oder der FFH-Gebietsbetreuer am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

FFH-Gebietsbetreuer